Weitere Jahre neoliberale Politik?

Gemeinsame Erklärung des Wiener Armutsnetzwerks, des Personenkomitees Selbstbestimmtes Österreich und der Bürgerinitiative Rettet die Lobau – Natur statt Beton zur "Mahnwache für eine ökosoziale Wende im Interesse der Mehrheit" anlässlich der Präsentation des schwarzgrünen Regierungsprogramms

Alles stand unter der Prämisse eine FPÖ-Regierungs-beteiligung zu verhindern – doch der Preis ist hoch:

  • Massive Investitionsbremse („Nulldefizit“ – Wenn man den Gesamtschuldenstand noch weiter senken will, wie sollen sich dann dringend notwendige Maßnahmen für zB: Klimaschutz und Armutsbekämpfung ausgehen?)

  • Die Profitsteuer KöSt wird weiter von 25% auf 21% gesenkt – ein reines Reichengeschenk ohne belebende wirtschaftliche Wirkung.

  • Ersatzloses Auslaufen des Spitzensteuersatzes von 55%, Senkung der Einkommensteuertarife – kommt ebenfalls überproportional den Wohlhabenden zugute.

  • Absetzbetrag für Kinder („Familienbonus“) wird erhöht – scheint sozial, kommt aber nur Wohlhabenden zugute. Armutsgefährdete gehen leer aus.

  • 12h-Tag/60h-Woche bleibt, Druck auf Arbeitslose wird erhöht, kein Wort über die vom VfGh aufgehobene Sozialhilfe

 

Klimaschutz ohne Investitionen?

Über den wichtigsten Hebel, sowohl in Klima-, Umwelt- und sozialer Hinsicht, nämlich dem Ende der fossilen Großprojekte wie Lobautunnel, 3. Piste Flughafen Wien Schwechat, Waldviertelautobahn etc. findet sich kein Wort. Lassen wir nicht zu, dass das Recht des Stärkeren gilt, und die ÖVP ihre Klientel in der Auto- und Bauindustrie weiter bedienen kann!

Investitionen in den öffentlichen Verkehr, alles entscheidend um eine flächendeckende Alternative zum Auto zu schaffen, werden zwar versprochen, doch ist das Ausmaß meilenweit unter dem Notwendigen. Stellt man die allgemeine Investitionsbremse sowie das Sinken der Einnahmen durch die an sich richtige Verbilligung (1-2-3-Ticket) in Rechnung, bleibt womöglich vieles beim Alten oder wird den weniger Wohlhaben zusätzlich weggenommen. Wenn für öffentlichen Nah- und Regionalverkehr nur je eine Milliarde vorgesehen ist und die immer noch gültige Sechs-Jahres-Planung der Asfinag bis 2024 insgesamt 8 Milliarden Euro für das hochrangige Straßennetz vor sieht, zeigt sich was geändert werden muss, will man den Verkehr als am schnellsten wachsenden Treibhausgasemittenten ausbremsen.

Die Steuerreform mit CO2-Bepreisung ist auf die Zukunft verschoben – und man sollte vor ihr auf der Hut sein, denn unter dem Imperativ der Senkung der „Staatsquote“ kann sie nicht anders als die Armen beim Ersatz von Diesel, Öl und Kohle zu schröpfen.

Die 12 Euro Flugticket-Gebühr bei gleichzeitiger Steuerfreiheit für Kerosin ändert nichts an der massiven Bevorzugung des Flugverkehrs gegenüber der Schiene.

 

Und von wegen Verhinderung der FP:

Das vorgelegte Regierungsübereinkommen schürt antimuslimisches Ressentiment, spaltet die Gesellschaft, baut autoritären Staat aus

Mit der Kampagnisierung des Kopftuches und dem Anti-Islam-DÖW werden die Muslime amtlich als gefährliche und zu bekämpfende Feinde dargestellt. Durch die forcierte Segregation insbesondere in den Schulen fördert man „Parallelgesellschaften“.

Von der Gesamtschule ist keine Rede, die die wichtigste Maßnahme gegen die Klassenspaltung in Kindesalter wäre. Die Förderung der Elitenbildung geht weiter.

Mit der Präventivhaft („Sicherungshaft“) wird ein fundamentales Grundrecht außer Kraft gesetzt, nämlich der Meinungs- und Gesinnungsfreiheit. Auch der Bundes­trojaner steht wieder auf dem Programm.

Zusätzlich wird die volle Teilnahme Österreichs an der EU-Militarisierung einschließlich globalen Militäreinsätzen bekräftigt – in Verletzung der verfassungsmäßigen Neutralität.

 

Deshalb:
Weiter Widerstand von unten für eine ökosoziale Wende!

 

Aufrufe für die Mahnwache am 10.1.2020